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Was ist Mediation?


Mediation ist eine strukturierte, außergerichtliche Form der Konfliktbearbeitung mit dem Ziel, eine für alle Seiten vorteilhafte und zukunftsorientierte Regelung zu finden und verbindlich zu vereinbaren. Der Mediator unterstützt die Konfliktparteien in einer vertrauens- und verständnisvollen Atmosphäre bei der Lösungsfindung, indem er als neutraler Dritter durch das Verfahren führt. Er entscheidet nicht, sondern erweitert die Lösungsräume. Die Medianten suchen eigenverantwortlich und freiwillig eine interessengerechte Lösung - sie behalten volle persönliche Autonomie.



Mediation ist eine ganzheitliche Lösung


Verglichen mit dem gerichtlichen Verfahren wird das Problem gesamtheitlich und als lösbar betrachtet. Die Lösung wird von den Konfliktpartnern mit Hilfe des Mediators selbst erarbeitet und nicht zur richterlichen Entscheidung aus der Hand gegeben. Neue alternative und kreative, auf die individuelle Situation optimal angepasste Lösungen können gefunden werden. Diese häufig als win-win Situation beschriebenen Ergebnisse sind für die Medianten befriedigender und dauerhafter tragfähig.


Durch Mediation wird einem Hochschaukeln des Konfliktniveaus durch Missverständnisse,  einen langwierigen Verfahrensablauf wie nicht selten im gerichtlichen Verfahren vorgebeugt. Vor allem im familienrechtlichen Kontext werden die vielen beteiligten professionellen Helfer (Jugendamtsmitarbeiter, psychologische oder psychiatrische Sachverständige, Verfahrensbeistand für das Kind, eventuell ein Umgangspfleger sowie Rechtsanwälte auf beiden Seiten und nicht zuletzt der Familienrichter) als Überforderung wahrgenommen. Schlimmstenfalls können Eitelkeiten, manchmal Selbstüberschätzungen im Helfersystem zu sich selbst verstärkenden ungleichgewichtigen Eigendynamiken führen, welche im Rahmen des gerichtlichen Verfahrens von den Betroffenen dann schwer zu bremsen oder gar umzukehren sind. Bei einer Mediation wird diese Gefahr von Beginn an vermieden, was insbesondere bei Sorge- und Umgangsrechtsvereinbarungen wichtig ist, bei denen das Wohl der Kinder wirklich im Mittelpunkt zu stehen hat.



Was ist, wenn die Mediation nicht hilft, sie abgebrochen wird?


Häufig sind auch dann zumindest Teilergebnisse oder Zwischenvereinbarungen erreicht worden oder die Mediation hat zu einer Klärung geführt, über welche Themen oder Punkte keine Einigung, worüber Klärung erzielt werden kann, wodurch ein ggf. noch nötig werdendes gerichtliches Verfahren weniger verbissen oder auf Teilbereiche beschränkt durchgeführt werden kann.



Wann und wobei kann Mediation generell helfen?


Mediation ist besonders für Menschen geeignet, die auch nach Lösung des auslösenden Konflikts weiterhin auf eine dauerhafte Art und Weise verbunden bleiben (müssen), etwa als Eltern oder Geschwister, im Familienunternehmen, auch als Nachbarn.



Wann und wobei kann Mediation im familienrechtlichen Bereich helfen?


  • Der gemeinsame Weg zur funktionierenden Nachtrennungs-/Nachscheidungsfamilie:
  • Wie wird der Umgang mit den Kindern und auch miteinander  neu gestaltet?
  • Wie wird die Kommunikation gestaltet?
  • Welche finanzielle Unterstützung gibt es für wen und für welchen Zeitabschnitt?
  • Wie wird Vermögen aufgeteilt?
  • Bei bestehenden, grundsätzlich funktionierenden Beziehungen:
  • Im Rahmen einer bestehenden Ehe oder Beziehung bei Konflikten über den Umgang mit Finanzmitteln oder der Rollen- bzw. Aufgabenverteilung innerhalb der Partnerschaft
  • Bei Patchworkfamilien oder Zweitfamilien, unterschiedlichen Lebensformen allgemein
  • Bei wichtigen Entscheidungen für die Kinder, etwa hinsichtlich der Ausbildung, der Religion oder der Gesundheitsfürsorge
  • Bei Geschwisterkonflikten
  • Gar nicht so selten, aber nicht selten unterschätzt: Bei der Bewältigung von Veränderungen in der Familie:
  • Abrupte Konfrontation mit Nachwuchs und Elternrolle,
  • Empty-nest-Situation nach dem Auszug der Kinder,
  • Versorgung älterer Familienmitglieder
  • Bei Konflikten von Familien mit Behörden oder Schule
  • Bei Erbauseinandersetzungen,
  • Nachbarschaftskonflikten,
  • Streitigkeiten zwischen Bauträger und Bauherrn oder innerhalb einer Baugruppe
  • Gesellschafterkonflikten, Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat
  • Streitigkeiten in Familienunternehmen und Unternehmen allgemein
  • Zielfindung mit Gläubigern, etwa im Rahmen einer Privatinsolvenz
  • Betrieblicher Zielfindung und –erreichung mit Führungskräften
  • Trennung/Neuorientierung von Mitarbeitern



Mediation im Vergleich mit anderen Konfliktlösungsverfahren.


Häufig sind Verhandlungen oder Diskussionen völlig festgefahren:

Da Sie mit der Mediation den Konflikt aktiv und konstruktiv  und mit professioneller Hilfe des Mediators angehen, wird Ihnen die Konzentration auf das Wesentliche Ihres Lebens wieder möglich, Nervenreserven und Gesundheit werden geschont.


Anders als das juristische Verfahren, das den Lebenssachverhalt, den oft über Jahre sich entwickelten und menschlich sehr komplexen und vielschichtigen Konfliktverlauf, verkürzt und zurechtschneidet, um ihn mit einer Gesetzesnorm zusammenzubringen und auf dieser allgemeingültigen Basis zu lösen, bestimmen bei der Mediation Sie die Themen und die Reihenfolge der zu lösenden Inhalte, Sie bestimmen das Tempo, sie behalten den Prozess selbst in der Hand, d.h. können jederzeit abbrechen, wenn die Mediation zu einem Stillstand gekommen sein sollte. Sie bestimmen, wie viel Rückblick für das grundsätzlich zukunftsgewandte Verfahren notwendig ist; im gerichtlichen Verfahren ist dies prinzipiell überhaupt nicht möglich.

Neben sachbezogenen Themen können persönliche Themen Ursache eines Konflikts sein, die in der Mediation sogar den Schwerpunkt der Bearbeitung bilden können, zumindest eine Rolle spielen, im juristischen Verfahren eher nur äußerst am Rande oder überhaupt nicht.


Neben den positiven Aspekten für den zugrundeliegenden, akuten Konflikt besteht durch eine geglückte Mediation die Möglichkeit, sowohl die ganz individuelle Konfliktlösungskompetenz zu reflektieren und auszubauen als auch das Verhältnis der Medianten zueinander für zukünftige Konfliktkonstellationen zu stärken, also eine Chance zur persönlichen Weiterentwicklung.

Anders als beim gerichtlichen Verfahren gibt es keinen Verlierer, Gesichtsverlust wird vermieden.


Anders als bei der psychologischen Beratung geht es in der Mediation um zukunftsgewandte, kommunikationsbasierte Lösung. Auch wenn ein Partner klar die Trennung/Scheidung wünscht, der andere oder auch beide sich nicht schlüssig sind, kann eine sog. Ambivalenzmediation durchgeführt werden. Es kann an der gemeinsamen Entscheidung für eine Familiensituation gearbeitet werden und es können auch vorläufige, zeitlich befristete Lösungen gefunden und im Leben der Medianten ausprobiert werden.


Psychologisch unterstützende Beratung kann auch neben der Mediation wahrgenommen werden, auch durch einen einzelnen Medianten, wenn der andere dies ablehnt, weil psychologische Beratung ihm möglicherweise unangenehm ist.



Ablauf der Mediation als strukturiertes Verfahren.


Erste Phase – Was möchten Sie mit der Mediation erreichen?

Vorbereitung sowie Einführung in die Mediation. Im Gespräch zwischen Mediatorin und den Medianten werden die Rahmendbedingungen für eine Mediation abgeklärt, dann ein auf die Situation abgestimmter Mediationsvertrag bzw. Arbeitsbündnis zwischen den beteiligten Konfliktparteien und dem Mediator geschlossen.


Zweite Phase – Worum geht es Ihnen?

Sammlung und Gewichtung von Themenfeldern. Zusammenstellung von lösungsrelevanten Daten, Fakten und Unterlagen.


Dritte Phase – Konfliktbearbeitung?

Die hinter den Positionen der Beteiligten stehenden Interessen, Wünsche, Anliegen, Beweggründe werden herausgearbeitet. Dabei geht es gleichgewichtig um die eigenen wie um die Interessen des Konfliktgegners, der vielleicht bereits als Konfliktpartner wahrgenommen wird.


Vierte Phase – Was ist überhaupt denkbar? Problemlösung

In kreativer Atmosphäre werden Ideen, Optionen und Lösungsmöglichkeiten gesammelt.


Fünfte Phase – Was ist machbar? Bewertung und Auswahl, Problemlösung.

Die Lösungsoptionen werden dann bewertet und hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit und praktischen Umsetzbarkeit für die Medianten geprüft und ausgewählt. Sie können zuvor jeweils individuell für jeden Medianten durch professionelle Berater (etwa Rechtsanwälte, Steuerberater) überprüft werden.


Wie geht es weiter, wenn bei der Mediation keine Lösung gefunden werden kann?


Sechste Phase – Vereinbarung: Die friedlichere Zukunft kann beginnen!

Eine Lösung bzw. ein Lösungspaket wird vereinbart, wird dann in rechtlich verbindlicher Form, ggf.  durch notarielle oder gerichtlich protokollierte Vereinbarung  abgeschlossen. Nachbetreuung: Der Mediator unterstützt Sie bei der Umsetzung in die Realität



Welche Voraussetzungen sind seitens der Medianten notwendig, um das Verfahren erfolgreich abzuschließen?


Das Mediationsverfahren ist charakterisiert durch die Selbstverantwortung und Autonomie der Beteiligten. Voraussetzung für eine gelingende Mediation ist daher Ihre innere und äußere freiwillige Teilnahme und Mitarbeit sowie die grundsätzliche Bereitschaft, den Konflikt konstruktiv lösen zu wollen und sich bei der Lösungssuche aktiv zu beteiligen.  Zwischen Ihnen sollte kein sehr großes, nicht auszugleichendes Machtungleichgewicht bestehen.



Was ist die Rolle des Mediators?


Er informiert beide Beteiligte offen und vollständig über das Verfahren. Er nimmt Bedürfnisse und Interessen beider Beteiligter gleichberechtigt auf und sichert Allparteilichkeit bzw. Neutralität zu. Er sorgt für ein faires Verfahren und sichert Vertraulichkeit zu. Der Mediatorin weist auf Grenzen ihrer Kompetenz oder Allparteilichkeit hin. Das Ergebnis und die Beendigung des Verfahrens bestimmen ausschließlich die Konfliktparteien, denn der Mediator ist nicht Schiedsrichter und hat keine Entscheidungsmacht, sondern sorgt gleichbehandelnd und ausgleichend für die Einhaltung der zuvor vereinbarten Fairness- und Verfahrensregeln.



Dauer und Kosten


Die Dauer der Mediation richtet sich nach der Komplexität der Situation, nach der Zahl der daran Beteiligten und auch danach, wie viele Einzelthemen zu bearbeiten sind. Eine Mediationssitzung dauert grundsätzlich eineinhalb Stunden. Ein durchschnittlicher Familienkonflikt bei Trennung- und/oder Scheidung kann meist mit drei bis acht Sitzungen abgeschlossen werden. Abgerechnet wird, anders als normalerweise bei anwaltlicher Tätigkeit, nicht nach den Gegenstandswerten, sondern auf Basis des vereinbarten Stundenhonorars. Die Kosten werden in der Regel von allen an der Mediation Beteiligten anteilig getragen, nicht unbedingt hälftig und nicht unbedingt immer.

Mein Stundensatz beträgt grundsätzlich 120 €. Bei ungünstigen Einkommensverhältnissen der Medianten bin ich bereit, hiervon abzuweichen: Leider ist auch mit dem Mediationsgesetz, das 2012 erlassen wurde, keine Verfahrenskostenhilfe für diejenigen Konfliktparteien vorgesehen, die sich aufgrund der eigenen Vermögens- und Einkommensverhältnisse Mediation nicht leisten können. Bei entsprechendem Nachweis bin ich bereit, Ihnen hier entgegenzukommen, da ich es wichtig finde, dass das hilfreiche Verfahren der Mediation von breiten Bevölkerungsgruppen herangezogen werden kann.


Immer mehr Rechtsschutzversicherungen, mittlerweile wohl die überwiegende Anzahl im Privatrechtsschutz, tragen die Kosten für Mediation – zumindest in einem Sonderbaustein -, manche Versicherungsgesellschaften haben keine Wartezeiten, d.h. Sie können nach Abschluss des Versicherungsvertrags sofort eine Mediation zur außergerichtlichen Streitbeilegung in Anspruch nehmen.

Dies kann als eine sicherlich objektive Einschätzung und Anerkennung des Potentials der Mediation als gutes, dauerhaftes und preiswertes Konfliktlösungsverfahren gesehen werden.


Die Beratung zum Thema Mediation an sich ist häufig kostenlos. Zu empfehlen sind auch unverbindliche Informationsveranstaltungen von pro familia Karlsruhe, der Arbeitsgemeinschaft Mediation e.V. Karlsruhe und der Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatung e.V. Karlsruhe, die im monatlichen Turnus angeboten weden.