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Wohnguppenrecht: Worum geht es?


Neue Perspektiven für das Älter- und Altwerden sind aufgrund des demographischen Wandels sowie veränderter Erwartungen an das Älterwerden gefragt. Viele Menschen könnten ihr Leben in einem gemeinschaftsorientierten Wohnprojekt angenehmer und sorgenfreier gestalten. Der finanzielle Aufwand ist überschaubar. Durchdachte Planung, Organisation und dauerhafte Durchführungsbegleitung erreichen, dass Nutzen und Freude an der Wohnform ungetrübt und zukunftssicher bleiben.


Das gemeinschaftliche Wohnen sollte eine Nachbarschaft sein, die unter großzügiger Wahrung des individuellen räumlichen und emotionalen Bereichs von den Bewohnern bzw. Mitgliedern auch dauernd und dauerhaft gestaltet wird. Auf gegenseitige Initiative und (später vielleicht auch handfeste) Hilfsbereitschaft soll hier nicht nur gehofft oder vertraut werden wie bei einem Umzug in eine „normale“ Nachbarschaft, sie muss Grundlage sein, über die Einverständnis herrscht und die – soweit wie möglich bzw. sinnvoll – verbindlich festgelegt ist.


Manche Dinge sollten, viele können in gemeinschaftlichen Wohnformen rechtlich oder moralisch verbindlich geregelt werden. Oft sind es Kleinigkeiten, die das Leben grundlegend erleichtern.



Vertragsgestaltung und Mediation durch den Juristen


Mein Ansatz, Wohngruppen zu begleiten, soll den Schwerpunkt im Juristischen haben, also einen Grundlagenvertrag ausarbeiten, in dem Verkauf/Vermietung o. ä. geregelt ist, weiterhin die evtl. Mitbestimmung der Mitglieder bei der Neuvergabe eines Anteils am Wohnprojekt.

Den zweiten Komplex der Vertragsgestaltung sehe ich in den zu regelnden Alltagsangelegenheiten wie Aufstellung von Grundsätzen und Reichweite für die gegenseitige Unterstützung und deren zeitliche und inhaltliche Festlegung und evtl. Absicherung oder der Einigung über die gemeinsame Inanspruchnahme von Pflegeleistungen von außen: wer bestimmt wann und unter welchen Umständen, wie werden die Kosten aufgeteilt, wie kann man kündigen etc.

Als dritten Komplex sehe ich die Notwendigkeit, die Gruppenstrukturen, -wünsche und -grundsätze zukunftsfähig zu machen, d.h. abzusichern. Es gilt, den Grat zu finden, der möglichst wenig dem Zufall überlässt und doch auch das Zusammenleben, so wie es geplant und Grundlage der Entscheidung für die Wohngruppe war, abzusichern.

Ich halte es für wesentlich, dass die Gruppenmitglieder im kontinuierlichem Kontakt bleiben, Probleme angesprochen werden, bevor sich die Fronten verhärten und im Zweifelsfall möglicherweise eine Art von Schlichtung helfen kann.


Ich biete an, hier als dauerhafte Ansprechpartnerin die Gruppe weiter zu begleiten, da es manchmal leichter ist, Beschwerden bei einem neutralen Dritten vorzubringen.


Ich helfe, für die Planungsphase einen entsprechenden Rahmenvertrag, etwa als Verein oder Gesellschaft bürgerlichen Rechts, zu gründen und den passenden, individuell zugeschnittenen Gesellschaftsvertrag zu entwerfen. Auch bei der Finanzierungsplanung und den notwendigen Behördenverhandlungen und -anträgen werde ich behilflich sein. Über die Gründung einer Genossenschaft und Alternativen wird gesprochen. Mit besonderer Sorgfalt werden alle Eventualitäten für das laufende Projekt rechtlich fixiert.


Für mich sollte das Thema Wohnen nicht ideologisch unterfüttert und festgelegt sein und auch nicht zu zentral werden. Man wird nicht Mitglied einer Gesinnungsgemeinschaft, sondern zieht in eine Nachbarschaft, die sich in praktischen Bereichen gegenseitig unterstützt.


Wohngruppen sollten sich primär über die Sozialorganisation des Wohnens, über das alltägliche Zusammenleben und informelle Nachbarschaftshilfe nach innen und außen definieren. Demnach geht es bei aller Regelung nicht um Regulierung bei den neuen nachbarschaftlichen Wohnleitbildern, „nicht um einen Rückfall hinter erreichte Privatheits-, Rückzugs- und Anonymitätsansprüche, sondern um mehr Toleranz und zusätzliche Hilfs- und Solidaritätsmöglichkeiten“.


Ganz in diesem Sinne möchte ich meine „sozialorganisatorische Phantasie“ auf juristischem Fundament zum Nutzen neuer Bauherrenorganisationen anbieten.

Meine persönliche Beschäftigung mit dem Thema des gemeinschaftlichen Wohnens begann vor gut sechs Jahren, als ich mich mit meiner Familie entschied, in den Karlsruher Norden – nach Smiley West – zu ziehen, wo sich auch unsere Kanzlei befindet. Für das ehemalige Konversionsgelände wurde gemeinsam mit den späteren Bewohnern ein Siedlungskonzept gesucht. Die Reihenhäuser am Innenhof waren wohl innerhalb des Gebietes die Baugruppe, die am meisten Wert auf gemeinschaftsorientiertes Wohnen gelegt hat. An dem Gelingen des Projekts haben neben dem Bauträger ,Volkswohnung’ und den anderen an der langfristigen Konzeption Beteiligten vor allem zahlreiche Baugruppenmitglieder – unter anderem mit architektonisch/planerischem und landschaftsarchitektonischem Sachverstand – ihren Anteil.


Auch aus dieser Erfahrung heraus, dass der Bauprozess sehr langwierig war, möchte ich für eine andere Zielgruppe arbeiten – nämlich nicht junge Familien mit kleinen Kindern –, die doch großteils bereit waren, einen über Jahre dauernden langen Atem von der Idee bis zur Übergabe der Häuser aufzubringen, sondern für ältere Menschen, und deswegen andere Schwerpunkte setzen: Mehr und detaillierte Angebote und Lösungen zu allen vielfältigeren Lebensbereichen, weitreichendere und längerfristige – auch juristisch fundierte – Lösungen zum selbstbestimmten Wohnen im Alter. Ich denke dabei an teilweise vorgefertigte Vorschläge, die den zeitlichen Rahmen des Projekts deutlich straffen. Lebensqualität und Versorgungssicherheit sollen initiiert, begleitet und unter anderem durch juristische Absicherungen sowie Mediation abgesichert und fortgeführt werden.

Anders als bei Bauträgerprojekten, bei denen doch die Vertragsbeziehung zwischen Bauherren und dem Bauträger juristisch im Vordergrund steht und eben nicht die Beziehungen der Gruppenmitglieder oder Interessenten untereinander, sollen die Gruppenmitglieder sich alle vorher kennen und verstehen sowie für eine eventuelle ,Nachbesetzung’ in diesem Sinn sorgen können.

Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen haben auch abweichende Wohnbedürfnisse, deswegen sollen die von mir betreuten Projekte mit bis zu 15 Parteien nicht isoliert von ihrer sonstigen Nachbarschaft leben. und sehe ich keine Gefahr der Isolierung, wenn keine anderen Generationen, beispielsweise mit kleinen Kindern, im Haus oder auf dem Areal leben.